“Good Goodbye” Chester Bennington! Ein Plädoyer für Suizidprävention.

Sie haben (oft) einen unnatürlichen Anfang und führen im schlimmsten Fall zu einem unnatürlichen Tod: Depressionen. 

In diesen Tagen steht Chester Benningtons Suizid im Fokus des öffentlichen Interesses.

 

Wenn man nach den Ursachen fragt, die dazu führten, dass einmal mehr ein körperlich gesunder, reicher und erfolgreicher Mann wie jüngst der Sänger von Linkinpark Selbstmord beging, muss man wohl wie so oft unter der Oberfläche nachsehen. Bekannt ist aus seiner Vergangenheit, dass er Opfer von Missbräuchen in Familienumkreis war und zuletzt auch noch seinen engen Freund Chris Cornell wegen dessen nicht gänzlich aufgeklärten Selbstmord verlor. Psychologische Erklärungen des Suizids werden sich wohl darauf und auf weitere Folgeerscheinungen wie Benningtons Drogenmissbrauch stützen. Mediziner werden vermutlich abgesehen von solchen Ursachen beim Ottonormalbürger auch nach möglichen genetischen Veranlagungen suchen, die etwa dann angenommen werden, wenn Vater oder Mutter sich bereits selbst getötet haben. Wenn man die Lieder von Chester Bennington und von seiner Band Linkinpark kennen und schätzen gelernt hat, kann man sicherlich an den emotional oft tiefschürfenden Texten und den bewegenden Klangkulissen heraushören, welch sensibles, kämpfendes und zugleich tief verletztes Gemüt da mitgewirkt haben muss. Manche Leute fragen sich immer noch, wie sie einen Suizid einer anderen Person für sich bewerten sollen. Lange von der Gesellschaft verachtet, hat sich in der Öffentlichkeit spätestens seit der Trauerfeier in der AWD-Arena in Hannovver für den bekannten Fußballer Robert Enke im November 2009 ein angemessenes Verständnis des Suizids in der Gesellschaft Bahn gebrochen: Der Suizid wurde als tödliche Folge der psychischen Erkrankung Depression charakterisiert und damit implizit klargestellt, dass die vermeintliche Verantwortungslosigkeit von Selbstmördern gegenüber ihren Angehörigen, ggf. gegenüber Gott oder der Gesellschaft viel weniger dem Suizidenten selbst als vielmehr seiner Erkrankung anzulasten ist. Depressionen machen vor keiner Altersgruppe, vor keinem Geschlecht oder einer bestimmten Rasse halt und betreffen finanziell reiche scheinbar mindestens genauso wie arme Menschen. Daher scheint geboten, dass die Politik mit ihrem gesetzgeberischen Einfluss auf die Krankenkassen und Medizin sich den psychologischen und neurologischen Präventions- und Heilungsmaßnahmen entschiedener verschreibt! Denn das, was man schon in einem der ältesten Bücher der Menschheit lesen kann, gilt für Chester Bennington genauso wie für alle Menschen: “Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnen würde und nähme doch Schaden an seiner Seele?” (Mt 16,26).

Depressionen und Suizid: Randphänomene?

Was meinen Sie, wie viele Verkehrstote haben wir jährlich in Deutschland? Bedenken Sie, wie oft man von tödlichen Unfällen hört und liest und überlegen Sie sich eine Zahl, die Sie vor diesem Hintergrund als wahrscheinlich annehmen. Und jetzt schätzen Sie doch mal, wie viele Suizide es beispielsweise in Deutschland innerhalb eines Jahres gibt. Mehr oder weniger als Verkehrstote? Man hört und liest ja schließlich recht selten von Selbstmorden in der Zeitung oder der Umgebung. Was denken Sie? Gleich viele wie tödliche Verkehrsunfälle oder viel weniger oder sogar mehr? Kaum einer ahnt, wie das Verhältnis tatsächlich ist: Mehr als drei mal so viele Menschen bringen sich jedes Jahr in Deutschland um, wie bei Verkehrsunfällen um’s Leben kommen. Das sind ca. 3.000 Verkehrstote gegenüber ca. 10.000 Selbstmorden (vgl. Statista.de u.a.). Hinzu kommt, dass regelmäßig eine viel größere Zahl den Suizid versucht und ihn nicht vollendet, weil zum Beispiel noch rechtzeitig von einer anderen Person ein Notarzt gerufen wird. Und ca. 70.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland leiden an Depressionen, aufgrund derer sie gerne sterben würden. Warum haben wir also verhältnismäßig geringe tödliche Verkehrsunfälle pro Jahr und über dreimal so viele Selbstmorde, von denen man kaum etwas mitbekommt in der Öffentlichkeit? Die unterschiedlich hohen Todeszahlen sind vermutlich überwiegend damit zu erklären, dass wir ein ausgeklügeltes Unfallpräventionsprogramm in Deutschland haben, das bei der Gesetzgebung bis hin zum Theorielernen in der Fahrschule, durch den Schilderwald im Straßenverkehr hinweg und vorbei an “Runter vom Gas”-Schildern, Blitzern und vielem mehr führt. Ein breit aufgestelltes, gut kommuniziertes und professionelles Suizidpräventionsprogramm hingegen sucht man von staatlich verantworteter und von den Krankenkassen unterstützter Seite leider vergeblich. Da viele Suizide vermutlich schon durch traumatische Erlebnisse in der Kindheit grundgelegt sind, müssten solche Programme sowohl Eltern als auch Kinder dazu anleiten, die häufigsten Depressionsursachen zu meiden und ihnen Strategien sowie psychologische Coachings vorurteilsfrei näherbringen. Medikamente müssten Ärzte in diesem Bereich unabhängiger vom jeweiligen Arzneimittelbudget der jeweiligen Station oder Praxis verschreiben dürfen.

Indizien für lange Planung: Bände sprechende Titel des letzten Albums

Wenn man verschiedenen Philosophen Recht geben darf, sucht der Mensch für sich (subjektiv betrachtet) immer nach dem Guten. Was das Gute konkret ist, entscheidet sich dabei im Kopf und Herzen des Menschen. Was ist nun, wenn jemand sucht, sich das Leben zu nehmen, also versucht ist zum Selbstmord? Ist das dann das Gute für den Menschen? Zur Antwort auf diese Frage kann man den vielzitierten Spruch wiedergeben: Wenn ein Mensch sagt, dass er nicht mehr leben will, heißt das immer, dass er SO nicht länger leben will. Das heißt also, dass es ganz entscheidend an den Umständen liegt und daran, ob man daran was ändern kann oder glaubt an ihnen etwas ändern zu können. Entscheidend ist vermutlich auch, ob man es schafft, die Umstände anders zu sehen, als das Schreckliche, als das sie sich aufdrängen oder ob man es wenigstens schafft, den Blick auf Positives im eigenen Leben zu lenken. Wichtig ist sicher auch, ob das Umfeld eines Depressiven Positives für diesen beitragen kann und will. Chester Bennington hat es offensichtlich leider nicht geschafft, sein Leben schwerpunktmäßig von jener Seite zu sehen, die noch positiv war. Mit Familie, Freunden, Geld und körperlicher Gesundheit gab es auch bei ihm noch Positives. Er hat es offensichtlich dennoch nicht mehr ausgehalten, so weiterzuleben, wie bisher und konnte wohl am Ende fast nur noch auf das Schlechte in seinem Leben blicken. All das trotz der ihm sicherlich bekannten Tatsache, dass er wohl das Leben von vielen Angehörigen und befreundeten Menschen stark beeinträchtigt oder gar teilweise zerstört hat mit seinem Selbstmord. Ohne ihn zu verurteilen, hätte man ihm gewünscht, dass er mit professioneller ärztlicher Unterstützung, mit der Hilfe von Familie und Freunden sowie mit Techniken der Verhaltens- oder Psychotherapie gesund geworden wäre und auch seine Suchterkrankungen in den Griff bekommen hätte. Wenn man das neueste LinkinPark-Album “One more Light” in’s Auge fasst, fallen Titel besonders auf wie “Nobody can save me” oder wie “Good Goodbye”. Der Titel “Sorry for Now” klingt wie eine Entschuldigung des Selbstmordes und die Tatsache, dass der Titel “Talking to Myself”, in dem er möglicherweise aus der Sicht seiner Frau sein Leben besingt, könnte zeigen, dass er durchaus an die Hinterbliebenen dachte und seinen Suizid lange vorbereitete. Es liegt nahe, dass Depressionen für die meisten Patienten ein Kampf und keine kurzfristige Entscheidung sind. Wenn man dieser Interpretation der Albumtitel folgt, scheinen die weiteren Songnamen “Invisible” wie das Versprechen Benningtons, dass er unsichtbar noch weiter existiert und der Titel “Sharp Edges” wie der Plan, seinen Suizid lange vorbereitet zu haben, jedoch zur Entstehung des Songs mit einem scharfen Gegenstand geplant anstatt mit einem Galgen.

Verpasste Lebenschancen: Ein trauriges Beispiel – Das Hurricanefestival

Sätze wie: “Carpe diem – nutze den Tag” oder “Lebe jeden Tag als ob es dein letzter wäre” scheinen uns in einer von der Wirtschaft, von Konsum und damit von Erwerbstätigkeit und Zeitmangel beherrschten Gesellschaft als nette aber irgendwie unrealistische Floskeln. Als diesen Juni (2017) das Hurricane Festival in Deutschland ebenfalls mit Linkinpark aufwartete, werden vermutlich einige in diese Richtung gedacht haben: “Wow, Linkinpark würde ich schon gerne sehen/hören, aber das ist mir jetzt zu weit weg/zu teuer und die kommen ja bestimmt nächstes Jahr auch mal wieder nach Deutschland!” Man sieht an diesem Beispiel und an der Tatsache, dass eine einmalige Chance für viele unwiderbringlich gestorben ist, dass die Zeit kostbar und jeder Tag ein Geschenk ist, welches weder selbstverständlich noch sicher ist. An dieser Stelle wollen wir von LifeCompanion dazu ermutigen, sich feste Lebensziele zu machen und sie zu verfolgen, anstatt sie vor sich herzuschieben. Das geht auch klasse in der App im Bereich “Ich” oder für alle Smartphoneverweigerer mit einem einfachen Kalender oder Memobuch. Auch die Sterbeforschung von Kübler Ross u.a. in der App können hier zeigen, dass mehr gemachter Urlaub oft mehr wert ist für Sterbende als mehr Geld auf dem Konto.

Resultate und Perspektiven aus der Nahtodforschung

Berühmt ist der Satz: “Von den Toten ist noch niemand zurückgekommen!” Weniger berühmt sind die aktuellen Forschungsergebnisse der medizinischen Nahtodforschung, obwohl sie schon erstes Aufsehen erregen. Diese legen nahe, dass das Bewusstsein ohne intaktes Gehirn weiterlebt und zwar ähnlich wie auch wir Menschen in unserer biologischen Zusammensetzung. Wer wissen möchte, ob es möglicherweise tatsächlich eine vor der Vernunft gerechtfertigte Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod gibt oder ob Nahtoderfahrungen nur traumartige Zustände sind, der kann sich entweder gerne die wissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema in LifeCompanion kostenfrei durchlesen oder auch einfach hier die Audiodatei aus einer Radiosendung zum Thema anhören.

 

Ein möglicher Beitrag von LifeCompanion für Hinterbliebene?

Auch wenn LifeCompanion nicht als Plattform für Suizidenten entwickelt worden ist, so kann man doch fragen, ob es nicht einen Mehrwert für Hinterbliebene hat und gerade auch für die Öffentlichkeit, wenn jemand vor seinem Selbstmord diesen Dienst nutzt. Diese Frage kann neben allem weiterem in diesem Artikel sehr gerne im LifeCompanion-Forum, HIER weiter diskutiert werden. Am Beispiel von Chester Bennington kann sich jeder selbst fragen, ob es einem nicht etwas bedeuten würde, wenn er etwa einen letzten Facebookpost festgelegt hätte, der jetzt veröffentlicht würde oder Ähnliches, das man auf LifeCompanion vorsorgen kann.

Genauso wie in der App, bei der man auch einen Depressionstest machen kann, weisen wir auch hier besonders darauf hin: Wenn Sie oder jemand Ihnen Bekanntes unter einer Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111.